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Häufig geschieht Vergebung nur im Kopf und nicht mit dem Herzen. Vielleicht gestehe ich dem anderen noch zu, dass er mich nicht absichtlich treffen wollte.
Dennoch kann beim geringsten Anlass der ursprüngliche Schmerz oder Ärger wieder mit voller Wucht hochkommen, selbst wenn die Situation Jahre zurück liegt.

Es muss also einen bedeutenden Unterschied zwischen der Vergebung mit dem Kopf und der Vergebung auf der Gefühlsebene geben.

Was hindert uns daran, auf der Gefühlsebene zu vergeben? Vermutlich ein ganz natürliches Bedürfnis zu beschuldigen und im Recht zu sein, weil uns ja tatsächlich Unrecht geschehen ist.

Jemanden zu beschuldigen und ihm gleichzeitig auf der Gefühlsebene zu vergeben, ist nahezu unmöglich, weil damit zwei völlig unterschiedliche Emotionen verbunden sind, die nicht in Einklang zu bringen sind.

Das Bedürfnis zu beschuldigen erzeugt in mir sehr starke Emotionen, nämlich Ärger und Wut. Wenn ich versuche zu vergeben, spüre ich bestenfalls ein bisschen Mitgefühl oder auch gar nichts.

Es ergeben sich daraus folgende Fragen:

  • Wie kann ich mein Bedürfnis zu beschuldigen bzw. im Recht zu sein loslassen?
  • Wie kann ich das kleine bisschen Mitgefühl oder Verständnis stärken, sodass es am Ende vielleicht sogar Dankbarkeit für diese Situation beinhaltet?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage: Indem ich nicht danach suche, was an der Situation oder an dem Menschen oder an mir selbst falsch ist, sondern indem ich danach suche, was der tiefere Sinn aus der gesamtheitlichen, göttlichen Sicht sein kann.

Häufig sind wir der Meinung, dass es in unserem speziellen Fall diesen tieferen Sinn aus göttlicher Sicht nicht geben kann. Wir ziehen sogar alle möglichen Vergleiche heran um zu beweisen, dass diese Theorie  nicht stimmt.
Die gute Nachricht ist: Es genügt, wenn Sie es nur für möglich halten. Oder können Sie das wirklich ausschließen?